geht ihr noch oder schwimmt ihr schon?
Halb Franken ist überschwemmt (bin mal gespannt wie die Kollegen übermorgen aus Hamburg da durch kommen wollen – die sollen ja zu uns!). Passau ist auch überschwemmt, aber die sind irgendwie jedes Jahr mehrmals überschwemmt. Die sollten gleich auf Pfählen bauen und sich Boote anschaffen. Dann brauchens nach nem Hochwasser nur noch die morschen Pfähle austauschen, das kommt billiger. Bei uns ist eine Hochwasserwarnmeldestufe ausgegeben. Nun, nicht direkt bei uns, sondern halt am Fluss, aber das ist ne gute Ecke weg. Auch das trockengelegte Moor 500 Meter weiter östlich, das sich auf fast 20 km erstreckt blubbert schon vor sich hin. In der Heimatstadt 26 km östlich ist ebenfalls Warnstufe. Als ich gestern früh in die Heimatstadt zur Arbeit fuhr und über die Flussbrücke gegangen bin… wohah! Schon krass! Da dachte ich, noch so 75 cm Wasser und der untere Fußweg ist weg. Bis gestern Abend war der Wasserstand dann um 64 cm gestiegen.
Bevor es unser Zuhause erwischt saufen aber zuerst die Schwiegereltern und dann meine Eltern ab, auch die BF und der Bro sind gefährdeter als wir. Und die hat es bei den letzten Hochwassern alle nicht erwischt. Nichtsdestotrotz bin ich verdammt froh darüber, dass wir ggf. Platz für alle hätten. 2 freie Betten, 1 Couch, 3 Klappmatratzen. Theoretisch auch noch n Feldbett, aber wehe es wird irgendwo aufgestellt wo mir der Laminat verkratzen könnt… Das ist trotzdem total tröstlich für mich, für meine Leute da sein zu können, wenn ich gebraucht werde.
Jedenfalls war das gestern ein ziemlich langer Tag.
Auf dem Weg zur Arbeit war ich auf dem Markt – ich wollte gucken, ob die alte Dame die ich letztes Jahr so knuffig fand, das Frau Reserl, wieder da war. Sie war im Herbst schließlich bereits 88 Jahre alt, und übern Winter war sie nicht da. Tatsächlich, verschrumpelt, humpelnd und mit ganz wachen Augen. Völlig empört hat sie mir erzählt, dass ihr Keller unter der Garage bestimmt bald unter Wasser steht, und dass der blöde Sturzregen am Vorabend sie tatsächlich aufgrund “Garten-mit-fast-weggeblasenem-Schirm-bearbeiten-zu-müssen” so verlangsamt hat, dass sie fürs Radieserlbundmachen doppelt so lang wie sonst gebraucht hat, und dass ihr Enkel ihr heuer nicht helfen kann wenn der Keller volllaufen sollte, weil er beruflich nach Asien geschickt wurde…
Die besten Salatstecklinge bekommt man bei dieser netten vietnamesischen Familie (6 Kopfsalate: check), die schönsten Tomatenpflanzen bei dem Urbayern nebenan (2 tolle Pflanzen ergattert – meine sind heuer schon wieder nix geworden), der eine türkische Stand hat tolles Obst (hab aber diesmal nix gebraucht, aber man kann ja mal gucken), nur die Äpfel sind wo anders besser (hab da aber auch nix gebraucht). Der Würstelstand war von den übrigen Feiernden der letzten Nacht belagert. Der andere türkische Stand verkauft traumhafte Fladenbrote und Sesamkringel und Oliven und Aufstriche… Den Inhaber von diesem Stand kenn ich beruflich schon lange, der ist total nett! Inzwischen stehen allerdings meist die Söhne und die Tochter hinter der Verkaufstheke. Als ich bei Frau Reserl am Stand war lief einer der Söhne, der so Mitte 20 ist, vorbei (war wohl spät dran, der Gutste) und rief ihr ein freudestrahlendes “Guten Morgen, Oma!” zu. Als sie noch Kinder waren, sind sie auch mit Papa zum Markt gegangen, und da haben sie wohl Frau Reserl als Oma adoptiert. Kann gut sein, dass der Ersatzenkel ihr dann beim Kellerauspumpen helfen darf, wenn der Originalenkel so weit weg ist.
Ich dachte mir, WENN ich schon samstags arbeiten muss dann gönne ich mir davor ein bisschen “good vibrations” vom Markt.
Leider haben die nicht lange gehalten. Ich bin noch eben zum Bäcker rein gehüpft weil ich mir einen Kaffee zum geh holen wollte. Da saß an einem der Tische so ein unangenehmer etwas gammliger Zeitgenosse mit ungefähr 3 Promille. Der die ganze Zeit aggressiv rumgrölte, ich solle mich zu ihm setzen. Nein danke. Selbst wenn ich Zeit gehabt hätte. Gott sei Dank war er zu voll um aufzustehen und seinem Angebot körperlich nachzuhelfen. Es ist immer schade, wenn hübsche Tomatenpflanzen vielleicht Schaden erleiden weil man einem Suffkopf eine Lektion erteilen muss. Und wenn dann noch der Kaffee verschüttet wird ist das doppelt traurig.
Um 8:20 bin ich in der Arbeit angekommen, so hatte ich noch ausreichend Zeit vor der Öffnungszeit um 9 alles herzurichten. Normalerweise reicht es, wenn man so 20 Minuten vorher ankommt, aber normalerweise ist man auch zu 2. Für diesen Samstag war ich allerdings alleine eingeteilt da niemand spontan am Mittwoch oder Freitag zugesagt hat, einzuspringen für die erkrankte Kollegin. Die einen hatten keine Zeit, die andern keine Lust (das ist doch ARBEITSVERWEIGERUNG!!!). Und es war mit einem großen Ansturm zu rechnen (deswegen auch davor die Suche nach den Good Vibrations). Es war dann auch so, dass mit Öffnung der Türen die Menschen schon fast um die Wette liefen, um zuerst bei mir zu sein. Ich dachte mir schon: Ach Du Scheiße! Wenn das so weitergeht…
Aber… um 9:30 steht auf einmal ein Kollege vor mir.
Nadine: “Mike? Was machst denn Du da?”
Mike: “War bei meinem Termin – wurde abgesagt. Wusste, Du bist allein, deshalb bin ich von dort gleich reingefahren!”
Was hab ich mich gefreut! Wäre er heimgefahren und hätte sein Wochenende genossen hätte es kein Mensch erfahren!!! Der hat ne Extratafel Schokolade verdient! Solche Kollegen sind doch super!
Und zusammen haben wir es dann auch geschafft!
Anschließend wollte ich in die Klinik, ich bin kurz nach 1 raus aus der Arbeit. Am Mittwoch wurde mein Opa (Papa von Papa) eingeliefert, am Donnerstag die Omi (Mama´s Mama). Beide verwitwet. Trotzdem, meine Familie arbeitet stets praxisorientiert. Würden die nacheinander in die Klinik müssen, müssten die Angehörigen ja öfter fahren, so gehts auf eins…
Auf dem Weg dorthin wollte ich noch eben Kekse kaufen für die Patienten. Also, ab ins EInkaufszentrum, liegt ja eh aufm Weg. HAH!!! Sind das Spaßvögel. 20 Minuten hab ich nen Parkplatz gesucht, weil die den halben Parkplatz abgesperrt haben um einen Parcours aufzubauen weil Kindertag war. Ungefähr alle Eltern mit den Kindern der kompletten Region waren da und haben die übrigen Parkplätze belegt. Und das “nur” wegen ein paar Keksen…
Endlich im Krankenhaus angekommen war ich bei Opa und Omi.
Opa (85) mit Lungenentzündung: hat noch Schmerzen in der Lunge und inhaliert, er ist nach ca. 2 Wochen Husten und immer weniger Luft und einigen Tagen Übergeben dann doch mal zum Hausarzt (“weißt, Nadine, da hab ich mir dann gedacht, es könnt dann doch vielleicht eventuell was sein, dass irgendwas ned ganz stimmt, vielleicht geh ich doch mal zum Dr.”), ist dort zusammengebrochen und gleich eingeliefert worden. Auf Intensiv, inzwischen jedoch in ner normalen Abteilung. Weil, oh Wunder, es nicht normal ist, wenn man immer weniger Luft kriegt und an Tag X eigentlich fast gar keine mehr. Er ist stolz drauf, dass er sein Essen wieder behält, aber blöderweise ist er noch nicht wieder fit für seine 15 minütige Morgengymnastik die er seit seiner Wehrpflicht (außer er ist krank) täglich macht. Und das obwohl er doch jetzt seit einigen Monaten die Liegestützen weglässt. Es fehlt seit n paar Tagen einfach die Luft für die Gymnastik.
Omi (90) mit Schwindel aber ohne Diagnose: Will heim und macht die ganze Station rebellisch, aber es fehlen noch Untersuchungen. Wenn ihr die ärztlichen Anweisungen nicht gefallen versucht sie, sich davor zu drücken. Mit unschuldig-verschmitztem Gesichtsausdruck. Ich vermute, sie hat mal wieder zu wenig getrunken, deshalb der Schwindel und die Kreislaufbeschwerden. Allerdings trinkt sie auch jetzt nicht so besonders viel. Außer die Zimmernachbarin erinnert sie dran. Sie soll mit Rollator und ihren Besuchern spazieren gehen. Das mag sie aber nicht. Ich kann nicht genau erfühlen, ob sie grundsätzlich nicht laufen will oder nur zu ihren Bedingungen, denn sobald keiner hinschaut geht sie ohne Rollator (“Der is a Glump, der Eiert! Meiner daheim, des is a gscheide Rennsemme, aber deeees!”) und ohne Begleitung auf Station spazieren. Und der Arzt, der das für leichtsinnig hält, soll erst mal 90 werden…
Allerdings wird ihr Kurzzeitgedächtnis immer schlechter, das macht mir ziemliche Sorgen.
Gegen 17 Uhr war ich daheim. So für 10 Minuten, denn gestern hatte auch noch die Schwiegeroma Geburtstag, und auf dem Weg dorthin mussten wir noch einkaufen gehen. Ich hatte ehrlich gesagt nach dem anstrengenden Tag relativ wenig Lust (wer kanns mir verdenken…) nochmal aufzubrechen, aber was sein muss muss sein. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich immer wieder Probleme mit der Schwiegermutter habe, aber gestern, wie auch schon die letzten Male, haben wir uns sehr gut verstanden. Es war ein richtig schöner Abend. Trotzdem war ich froh, als wir um 20:30 endlich daheim waren. Ich war einfach müde.
Und außerdem konnte ich dann zumindest die 2. Hälfte “meiner” Bayern sehen. Und anschließend die Feier. Ich sach ja, der Thomas Müller und der David Alaba, die werden mal meine Schwiegersöhne! Was hab ich mit denen gelacht! Und Giovane Elber ist auch immer zu Scherzen aufgelegt. Den mag ich! Mario Mandzukic wird übrigens mein 3. Schwiegersohn, man braucht ja auch einen, der etwas ruhiger ist.
TRIPLE!!!!
Aber darüber freu ich mich erst, wenn die Scheitelwelle durch ist, und alle Keller und Häuser nach wie vor trocken sind. Tim war grad am Fluss und meinte, es sei beeindruckend. Ich freu mich über die beeindruckende Baukunst der Hochwasserschutzbauspezialisten, wenn die Gefahr vorüber ist.
Vor 3 Jahren hab ich mein altes Schlauchboot entsorgt – war das ein Fehler? Hätte ich es vielleicht nächste Woche gebraucht, um meine Arbeitsstelle zu erreichen?
Nun, ich habe sowohl den Jugendfreischwimmer als auch den Jugendrettungsschwimmer gemacht, damals. Ich bin bereit!
…aber… was baut der Nachbar da im Garten, und wo kommen die ganzen Tiere her, die ihm zuschauen?