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Salzburg

Vorletztes Wochenende war ich mit der BF in Salzburg, wir haben den legendären Salzburger Schnürlregen besichtigt.

Am Samstag hat es nur gepisst. Dies bedeutet, wir sind von Laden zu Laden gelaufen – willens, Geld los zu werden, aber fast nix gefunden – ein T-Shirt wurde es.

An den traditionellen Kaffeehäusern sind wir vorbeigelaufen, die haben wir vor Regen gar nicht gesehen. Wir sind dann eher in so Bistro-Cafe´s gelandet. Hauptsache, in der heißen Schokolade mit Schlagobers war auch ordentlich Rum drin. Das war da nicht so tröpferlweise, sondern schon fast ein doppeltes Stamperl und das mitten am Nachmittag. Da hat sichs wenigstens rentiert, dass wir per Zug unterwegs waren.

Richtig hässliche Schuhe haben wir auch gesehen. Alptraumlike.

In Salzburg hat jedes Geschäft, jede Bäckerei, jede Metzgerei, jedes Miniteil einen Schirmständer. Das ist uns aber erst abends und nachts beim Weggehen in den Bars so richtig aufgefallen. Die haben nämlich auch Schirmständer. Sogar die etwas gammligen Boazn. Hätten wir das gleich zu Anfang realisiert hätte ich jeden einzelnen Schirmständer fotografiert und eine Salzburg-Foto-Collage „Impressionen aus dem Nachbarland“ gemacht oder so. Ein Poster mit 150 Schirmständern. (Theorie: Eingesessene Salzburger erkennt man daran, dass sie immer mit Stockschirm unterwegs sind. Auch wenn die Sonne scheint.)

Am Sonntag war das Wetter etwas besser (man hat den Schirm nicht immer gebraucht), so dass wir auch die Kaffeehäuser gefunden haben.

Als alte Kaffeetanten war das für uns natürlich ein MUST VISIT. Darauf hatten wir uns weit am Meisten gefreut. Einspänner, Milchkaffee, Verlängerter. Etwas angespannt aufgrund des Wissens über Kaffeehauskellner sind wir also in das erste Kaffeehaus rein. Ich weiß, die in Wien sollen noch bissiger sein, aber auch Salzburg hat da so seinen Ruf.

Und – was soll ich sagen? Ich bin einfach interkulturell kompetent. Ich habe den Besuch überstanden, ohne dass der Kellner irgendwas zu bemängeln gehabt hätte. Und ja. Der war so wie die Vorurteile. Das hab ich miterlebt. Live und in Farbe. Allein schon einen Menschen dieses Schlages vorurteilsüblich ausflippen sehen war die ganze Reise wert. Bin froh, dass es nicht mich getroffen hat.

Gegen Nachmittag waren wir noch in einem anderen Kaffeehaus. Interkulturelle Kompetenz bewiesen sag ich da nur.

Jetzt will ich nach Wien. Die Variante für die Profis.

Ziemlich geil bei der Hinfahrt war ja auch, dass in dem Waggon wo die Schaffnerin die Ansage gemacht hat ein Junggesellenabschied mitfuhr. Die Burschen waren gut drauf. Der Bräutigam im Dirndl, die Bagage in der Lederhose, mit einigen Kästen Augustiner. Jedenfalls war da Party angesagt. So eine Party, dass man die Ansagen zum Thema „der nächste Halt ist“ leider nicht mehr verstanden hat. Weil die Party durch die Lautsprecher kam. Irgendwann haben die nicht mehr gebrüllt gelallt. Irgendwann haben die gebrüllt lallend gesungen. Keiner von denen hat auch nur ansatzweise Potential für den DSDS-Recall.

Mein Vorschlag in unserem Waggon zum „Kontersingen“ wurde von der BF und den vor uns sitzenden Österreicherinnen aufgenommen, aber die im Zug befindlichen asaitischen Touristen haben uns entsetzt angeschaut. Dabei empfanden wir das Hofbräuhaus der Spider Murphy Gang als passende Antwort. Textsicher ist im bajuwarischen Sprachraum da eh jeder und Melodie braucht man keine.

Dagegen war die Heimfahrt voll langweilig. Deshalb hat die gefühlt auch doppelt so lange gedauert.

Das Weggehen hat auch Spaß gemacht. Das bockt sich da einfach, weil die Österreicher nicht so maulfaul sind und sich eh recht wenig scheißen. Da kannst spontan mit jedem ratschen ohne dass Du blöd angeschaut wirst. Wir haben ne Mädelsclique kennen gelernt und noch ein paar andere lustige Gestalten. Mit einem bin ich fröhlich durch ne Bar getanzt (wer braucht schon Tanzfläche?) weil uns die Musik gefallen hat. Der Tänzer war n ziemlicher Spaßvogel, ich bin eh ne Rampensau – da kam ziemlicher Blödsinn bei raus. Ich bin mir sicher, die gerade-18-jährigen am Tisch neben uns waren irritiert.

Was mich aber echt genervt hat, war dass die ja in den Gaststätten rauchen dürfen. Ich bin das gar nicht mehr gewohnt, dass alles nach Rauch stinkt. Ich bin des Nächtens (und sooo viel Schlaf hatten wir nicht) mehrfach aufgewacht weil meine Haare nach Rauch gestunken haben. Dabei hatte ich sie geflochten damit sie mir nicht ins Gesicht fallen können. In Portugal wird zwar auch geraucht, aber irgendwie rauchen da weniger Leute weniger Zigaretten – da wars nicht so dass ich gar so nach Rauch gestunken hätte. Bisserl vielleicht. Aber nicht wie ein hundert Jahre alter Aschenbecher. Gottseidank hatte ich genug Klamotten dabei, so dass ich am Folgetag nicht das Problem hatte, dass ich die rauchige Strickjacke noch drüber ziehen musste.

Fazit: Salzburg jederzeit wieder, aber nur mit Regenschirm.

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Wertschätzung

Eigentlich wollte ich jetzt um diese Uhrzeit noch schlafen. Mindestens noch 5 Minuten. Stattdessen bin ich jetzt schon 50 Minuten wach. Frechheit. Wenn ich nicht ausschlafen kann wegen warum-auch-immer werde ich natürlich nicht wach.

Heute hab ich Urlaub. Der letzte Urlaubstag des Jahres 2014 ist dann somit abgegolten. Und ich wollte zwar nicht den Tag verschlafen, aber von selber wach werden um 6:20 Uhr und nicht mehr schlafen können ist schon echt irgendwie doof. Ich bin kein Frühaufsteher! Außer heute, wie es scheint.

Nun, dann werde ich mal nach dem Bloggen bisserl Fernsehen und lernen.

Mal gucken, ob mir noch ein passender Titel für den Artikel einfällt. Weil bislang war das nicht der Fall.

Worüber wollte ich eigentlich schreiben?

Ach ja. Jetzt weiß ichs wieder.

Ich glaub ich bin plötzlich jemand der megabeliebt ist.

Ich mein, ich war nie unbeliebt sondern halt normales Mittelmaß. Nachdem ich Sturkopf auch gerne mal gegen den Strom geschwommen bin und in der Regel meine Meinung lautstark kundgetan hab vielleicht auch mal unter dem normalen Mittelmaß. Aber kennt ihr die Leute, mit denen jeder befreundet sein will und auf deren Bekanntschaft man stolz ist? Ich bin plötzlich eine von „denen“ so wie es ausschaut.

Ich weiß gar nicht wie das passieren konnte. Ich bin doch eine alte Grantlerin, zickig, stur und ungeduldig! Wie immer!

Sowas ist echt komisch.

Ob in der Arbeit oder beim Sport, es betrifft beides.

Ich finde das total seltsam. Ich bin nicht anders als früher. Es sind andere Menschen um mich als früher, eventuell gibt das den Ausschlag. Meine Art kann nämlich schon sehr speziell sein. Und es gibt Menschen, die damit klar kommen, und welche, die das nicht tun.

Die Leute die jetzt um mich rum sind kommen damit klar. Vielleicht sind denen andere Sachen an ihren Mitmenschen wichtig?

In der Arbeit sind das z. B. die Kollegen und die Vorgesetzten. Und die Azubis. Resultat: Auf einmal gehöre ich zu den Leuten wo Facebook und Whatsapp ständig fiepen (stell Dir vor was mir grad im Wartezimmer passiert ist / hey was hältst Du von nem Shoppingurlaub in Barcelona / Du musst unbedingt heute Abend auf Sender X Sendung Y sehen, das gefällt Dir bestimmt / Ich will nicht dass Du morgen frei hast 😦 / Ich hab meine Prüfung zurückbekommen, die muss ich Dir zeigen / …). Ich muss aufpassen, dass ich kein Smartphonezombie werde.

Rita hat das ganz gut auf den Punkt gebracht. Bei unserem Arbeitgeber mit einer Mitarbeiterzahl im 4-stelligen Bereich gibt es wenige Mitarbeiter die alle kennen und mit denen es sich keiner verscheißen will. Als sie in der Ausbildung war, waren das x y und z. Als ich in der Ausbildung war, gehörte zu den Mitarbeitern die alle kennen und wo man als Azubi und auch später respektvoll aufschaut auch Rita. Nun gehöre ich wohl endgültig auch dazu. Rita und ich wissen beide nicht, wie das passieren konnte. Unsere Theorie geht in Richtung Kompetenz, Fleiß, sicheres Auftreten, Geradlinigkeit, Verlässlichkeit und soziales Verhalten. Und dem guten überleben in unserem sehr anspruchsvollen Arbeitsgebiet.

Im Sport – ja, „zu Hause“ bin ich ohnehin schon immer sehr gut in die Gruppe integriert, obwohl als einzige Frau und eher jüngeres Gruppenmitglied es auch keinen gewundert hätte wenn nicht. Es gibt keinerlei Kompetenzgerangel oder sonst was. Hierarchisch stehe ich relativ weit oben, aufgrund der Graduierung, und auch das gibt keine Probleme. Das ist zu Hause aber einfach so gewachsen und passt. Daran hat sich auch nichts geändert.

Was sich geändert hat in den letzten 1,5 Jahren ist das Umgehen mit mir wenn ich nicht „zu Hause“ in der Gruppe bin. (Also, was manche Cliquen angeht – mit anderen konnte ich schon immer gut.) Und seit dieser Vorführung vor ein paar Wochen sowieso nochmal.

Ich finde das sehr interessant. Warum ist das so?

Versteht mich nicht falsch, ich beklage mich nicht dass man mich mag (das wäre ja echt strange) und jammern tu ich auch nicht (das fände ich auch echt beknackt, es freut mich schließlich dass mich Menschen mögen). Es verwundert mich nur.

Vielleicht hat Rita Recht. Kompetenz, Fleiß, sicheres Auftreten, Geradlinigkeit, Verlässlichkeit und soziales Verhalten. Und wenn das in meiner Arbeitsumgebung und privaten Umgebung ausschlaggebend ist für die Wertschätzung der Menschen untereinander find ich das gut. Dann hab ich mir mein Umfeld gut ausgesucht.

Viel besser als der eine berufliche Zickenhaufen in dem nur der wertgeschätzt wurde der Kleidergröße 36 hatte und deren Mann die meiste Kohle heimgebracht hat. Da wurde es mir übel genommen, dass ich mir tatsächlich Fachwissen angeeignet habe und deswegen die interessanteren Aufgaben bekam. Das hatte ich mir wohl nicht so gut ausgesucht.

Ich hoffe, der Blogpost kommt jetzt nicht so „hach ich bin so toll und megabeliebt und voll selbstverliebt und arrogant und jetzt huldigt mir gefälligst“ rüber. So ist das nicht gemeint.

Der Blog ist für mich oft Reflexion. Wenn ich was aufschreibe verstehe ich es oft besser. Und wenn ichs nicht besser verstehe (wie jetzt grad) erklärts mir schon wer der kommentiert. Ich hoffe, das passiert auch da. (Ja, das war jetzt durchaus eine Aufforderung *g* )

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Ein Pieps für Vany.

Und ein ganzer Post für alle ^^

Joa, unsere neue Kollegin (habe beschlossen, sie Tini zu nennen, dann hab ich jetzt Tina & Tini und das hab ich früher total gern gelesen) ist noch da, obwohl ich sie vermutlich totgelabert habe mit Paragraphen und Kommentierungen und Gerichtsentscheiden und BVerwG und EuGH und haste nicht gesehen. Und nebenbei noch „eigentlich müsste das technisch so funktionieren aber die bereitstellende Firma kriegt das nicht hin und DAS ist unsere Übergangslösung“. Lauter so n Kram. Dass sie nicht schreiend abgehauen ist spricht echt für sie.

Und letzte Woche dann noch eine spontane Großaktion. Und weil ich zickig bin habe ich noch diverse örtliche und europaweit arbeitende Polizeibehörden drauf angesetzt, einen lobenden Rückruf des einzigen Fachmanns für dieses spezielle Themengebiet in Deutschland erhalten und eine europäische Behörde drauf angesetzt.

Daaaannn kann es sein dass ich viel Glück habe und für eine Hospitation im Ausland ausgewählt werde. Voll genial. Hoffe es klappt! Und wenn ich nochmal so viel Glück habe, dann wird bei uns eine neue Stelle genehmigt. Und sollte diese genehmigt werden und ich genommen werden (was laut Chef sicher ist, dass wenn er diese Stelle genehmigt kriegt er mich dort haben will) habe ich als eine der ganz wenigen Mitarbeiter bei uns die Chance auf der Karriereleiter nach oben zu kommen. Und wenn ich das krieg OHNE Parteibuch und Golfclubconnection und was es da sonst noch so gibt… Das ist wirklich eine Bestätigung für meine Leistung.

Ansonsten lerne ich auf meine Gürtelprüfung (ich hab Prüfungsangst!) und mein Trainer wurde vom Deutschlandtrainer gelobt weil ich mich bei einer Vorführung sehr gut gemacht habe. Das läuft da eher fernöstlich. Wenn ich scheiße bau ist mein Lehrer schuld, wenn ich gut bin ist es das Verdienst des Lehrers. Nicht meiner. Aber da ansonsten eher nach „Nicht geschimpft ist Lob genug“ verfahren wird ist das schon etwas Besonderes! Bereits während den Pausen der Vorführung habe ich von höhergestellten Schülern mitgeteilt bekommen, dass es eine große Ehre ist spontan für so viel Vorführungszeit ausgewählt zu werden. Ein paar waren echt neidisch.

Und mit einer Tussi dort kam ich gar nicht klar. Ich hab ihr einen Gefallen getan, und dann geht sie mich auf übelste Weise an. Und ich Vollidiot entschuldige mich noch bei ihr, anstatt dass ich ihr sage „Schnauze, Rindviech!“. Und da ärgere ich mich auch über mich.

Nach dem Eklat mit meiner Kollegin (ich berichtete) dachte ich diesmal „mönsch sei mal erwachsen, nimm dich zurück und entschuldige dich für den Gefallen den du ihr getan hast“. Ganz ehrlich? SCHEISS AUF ERWACHSEN! Ich werde da nie wieder vernünftig und erwachsen und diplomatisch und kompromissbereit handeln, weil da ärgere ich mich dann nur über mich selber. Und das ewig! Ich würde mich ja viel wohler fühlen wenn ich ihr irgendwas um die Ohren gehauen hätte. Naja, wir treffen uns schon mal wieder *händereib*

Meine frühere Chefin ist in Rente gegangen. Sie hat mich eingeladen und sich nochmal bei mir für die Arbeit, die Einstellung, die Loyalität, etc. pp. bedankt. Fand ich total lieb! Sie meint, sie hat mich die letzten 3 Jahre (also seit ich gewechselt habe) total vermisst, weil halt einfach keiner das ausfüllen konnte der danach kam. Die Orga lief einfach, sie musste sich um kaum was kümmern, ich hab einfach gemacht und nicht lang drum rum gelabert und fertig.

Ansonsten war ich ganz viel für Erika da. Letztes Wochenende gingen wir nachmittags auf nen Kaffee und nen Ratsch. Auf einmal kommt ein Anruf ihrer Mutter, ihr Vater sei mit Schlaganfall in die Klinik eingeliefert worden. Erikas Eltern wohnen am anderen Ende von Schland. Wie kriegste dat Mädel jetzt von Bayern nach Nordsee? Züge brauchen mit Umsteigen und Warten ca. 22 Std.

Flug. Aber da wo sie hin muss fliegt nur eine Fluglinie hin. Egal. Anrufen. Um Reservierung bitten. Tun sie nicht. Weil dafür braucht man eine Kreditkarte. Ich habe keine Kreditkarte. Erika und die andere Freundin die noch dabei war haben auch keine. Also Vollgas zum Flughafen und HOFFEN dass noch ein Ticket frei ist. Ich auf der linken Autobahnspur und *gib ihm*. Quasi den Fahrstil meiner „italienischen Mamma“ kopiert. (Diese Italienerin hab ich als Zusatzmama adoptiert.)

Jedenfalls haben wir noch ein Flugticket bekommen (nicht nach dem Preis fragen, bitte, das war übel!). Erikas Vater geht es nicht gut. Mein Whatsapp läuft heiß.

Ich werde das gute Wetter heute (29 Grad!) weiter nutzen und weiter ganz viel Wäsche waschen und draußen aufhängen, weil das so wunderbar schnell trocken wird. Find ich super! Hat heuer eh lang gedauert mit dem Sommer…

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Ich bin ein Mensch, der durchaus auch explodieren kann.

Und wie.

Man sieht mir das in der Regel auch an, wenn ich kurz vor der Explosion bin. Außer man hat das emotionales Gespür eines Steins. Oder der Gefahrendetektor dieses Menschen ist sowas von kaputt. Vielleicht wurde er auch serienmäßig nicht mitgeliefert.

Ich habe mich auch unter Kontrolle. Aber manchmal will ich das einfach nicht mehr. Wenn jemand kontinuierlich Grenzen überschreitet will ich das zum Beispiel nicht mehr.

Heute traf es eine Kollegin.

Sie und ich werden so oder so keine Freunde.

Ich halte sie für arrogant, überheblich, inkompetent, unreflektiert und unverschämt. Naiv und realitätsfern kommen auch noch hinzu.

Die komplette Abteilung hat sowas von die Nase gestrichen voll von ihr, angefangen bei der 19jährigen Kollegin über sämtliche Kolleginnen und Kollegen einschließlich den 58 Kollegen, die 59jährige Kollegin, die 62jährige Chefin.

Vor 2 Wochen hat sie – vor der obersten Ebene – behauptet, dass alle jüngeren und auch ein paar älteren Kolleginnen aufgrund ihrer nuttigen Outfits Respektsprobleme mit unseren Kunden hätten. Nuttige Outfits sind übrigens bereits Röcke in Knielänge oder kurzärmelige Oberteile. Oh, und Sandalen. Vergessen wir nicht die Sandalen.

Keiner von uns hat Respektsprobleme. Nur sie. Vermutlich merkt die Kundschaft einfach wenn wer AHNUNGSLOS ist! Selbst wenn ich nackt wäre, hätten sie vor mir mehr Respekt als vor ihr wenn sie ihre sämtlichen hässlichen Altomahosenanzüge gleichzeitig anzieht.

Gestern erklärte sie dann – wieder vor alleroberster Ebene – dass wir alle einfach unstrukturiert und planlos arbeiten (nein, sie weiß in keinster Weise, was wir eigentlich machen, sie hat von unserem Job einfach mal keine Ahnung, wenn hier irgendwer planlos ist, dann SIE) und behauptet ernsthaft, wir würden alle bereits 2 Std. vor Geschäftsschluss grundsätzlich gar nichts mehr arbeiten. Ähm, hallo? Wir reißen uns den Arsch auf! Wir arbeiten nach Geschäftsschluss weiter, weils oft gar nicht anders geht! Aber das weiß sie ja nicht, weil sie noch nicht mal auf unserer Etage sitzt. Aber Hauptsache man kann sich profilieren.

Aufgrund dieser Unverschämtheit hat mir da dann tatsächlich die Sprache gefehlt. Passiert nicht so oft. Chefin WEISS wie hart wir arbeiten und war kurz davor ihr quer über den Konferenztisch an die Gurgel zu springen.

Eine Kollegin (Anfang 40, also nix pubertäre Reaktion) hat es bedauert dass sie zu gut erzogen ist, um ihr mitzuteilen, dass sie, wenn sie keine Ahnung hat, einfach mal ihr dummes Maul halten soll.

Ich bin nicht auf sie angewiesen. Sie aber auf mich/uns. Weil sie einfach mal keinen Durchblick hat (obwohl sie schon länger als ich dort arbeitet, stellt sie Anfängerfragen die Azubis nach einer Woche nicht mehr stellen). Auch wenn sie besser bezahlt wird als ich. Die ist zu dumm, um einen Leitz-Ordner zu öffnen.

Ich hab gerade so einen Hass!

Heute nachmittag nun, während ich eine neue Kollegin in ihr künftiges Aufgabengebiet einarbeite (das mache ich seit Montag und das wird auch noch einige Wochen dauern), kommt die dumme Kuh. Sie hätte mal ne Frage. Och. Mal was Neues. Nach einem Blick auf die Uhr teile ich ihr zuckersüß mit, dass wir leider in etwas weniger als einer Stunde Geschäftsschluss haben, und nachdem sie gestern behauptet hat, dass wir ab 2 Std. vor Schluss nichts mehr arbeiten denke ich nicht daran, mir ihre Frage anzuhören (auf diese Fragen hab ich sowieso keinen Bock mehr – wieso auch, sie ignoriert seit 3 Jahren alle Antworten und Erklärungen…).

Also ignoriere ich sie und erkläre der Neuen den (für Anfänger) wahnsinnig komplizierten Vorgang weiter. Die steht ernsthaft weitere 10 Minuten neben meinem Tisch und schaut.

Ernsthaft, wenn ich so einen Korb bekomme und dann eiskalt ignoriert werde, ICH fange an, mir Gedanken zu machen, woran das wohl liegen könnte. Insbesondere wenn die korbverteilende Person zur nebendran sitzenden Neuen normal ist kann es wohl nicht an allgemeiner schlechter Laune liegen. Oder?

Der komplizierte Vorgang ist gleichzeitig eilig, jeder Tag zählt. Ich erkläre der Neuen, an welchen Fachkollegen das umgehend mit welchen Unterlagen abgegeben werden muss, und dass wir die Übergabe sofort noch machen müssen.

Als wir also auf dem Weg zum Fachkollegen sind stellt sich die Irre mir ernsthaft in den Weg und sagt, sie hätte immer noch eine Frage. Ich entgegne, es eilt bei mir. Sie sagt, bei ihr eile es auch. Sie müsse wissen, was in diesem Leitzordner drin sei, ob das für sie von Belang sei. Ich habe gesagt, es ist für sie nicht von Belang und ihr empfohlen, bei solchen Fragen grundsätzlich den Deckel aufzuklappen und nachzuschauen. (Dass die Frage ungefähr so eilig war wie eine Kühlschranklieferung an den Nordpol und Heizdeckel zu australischen Aboriginees – scheiss drauf.) Dass mein Tonfall eher unterkühlt war und ich sie währenddessen nicht vollgeschleimt war, meine Wortwahl aber korrekt muss ich nicht betonen, oder? Die Neue erzählte mir im Anschluss sie fand das so unmöglich dass die dumme Nuss erwartet habe, dass ich meinen dringenden Auftrag in der Sekunde in der sie mit ihrer Arbeit nicht weiterkommt sofort fallen lasse und ihren Schmarrn mache.

In dem Moment hab ich mich geärgert, weil ich Idiot ihr geantwortet hab. Weil ich ihr damit schon wieder geholfen hab, ihre Inkompetenz zu verschleiern.

Und dann sagt dieser unmögliche Mensch wirklich tatsächlich, sie würde es begrüßen wenn der Umgangston bei uns etwas weniger barsch sei.

Ich hab dann nur gesagt, ich würde es begrüßen, wenn sie unsere Arbeit von der sie nicht die geringste Ahnung hat vor der obersten Chefetage nicht schlecht machen würde und nicht aus Profilierungsgründen Unwahrheiten erzählen würde.

Dann hab ich mich umgedreht, hab sie stehen gelassen, und bin gegangen.

 

Die Neue meinte nur, sie kenne mich erst wenige Tage, würde aber wagen zu behaupten, dass auch ihr klar war, dass man mich nach so einem Auftritt nicht noch blöd anreden sollte und dass sich die Explosion wohl in meiner Mimik angedeutet und wirklich JEDEN gewarnt hat. Und sie stellte einfach mal nach den paar Tagen (zweieinhalb) die kühne Behauptung auf, dass ich ständig jedem helfen würde und jedem alles erklären würde und dass es wohl eine gewisse Zeit dauert bis meine Geduld erschöpft ist.

Meine Teamchefin hat das mitbekommen. Die ist seit gestern auch nicht mehr so gut auf die dumme Nuss zu sprechen. Gut auf sie zu sprechen ist sie schon länger nicht mehr, aber auch bei der Teamchefin ist jetzt endgültig Schluss mit Lustig. Und zu mir hat sie gesagt, wenn die dumme Nuss es wagen sollte, über mich zu jammern, wird sie ihr noch (verbal) dermaßen eine mitgeben, weil ich einfach Recht hab mit meiner Ansicht und auch keinesfalls springen muss wenn die Kuh ruft.

Ich sehe der Zukunft neugierig entgegen.

 

Die Frau hat doch einen Sprung in der Schlüssel. Die ist beleidigend und macht einen auf superkatholisch. Da geht mir das Messer in der Hosentasche auf!

Tina will morgen nackig kommen. Dann muss sie sich keine Gedanken über Ärmellängen machen, sagt sie.

Ich habe mir vorgenommen, ihr nicht mehr zu helfen. Ich bin ein hilfsbereiter Mensch, und das wird mir schwer fallen. Aber von mir aus fällt die jetzt auf die Schnauze. Die braucht das Echo von diesen Profilierungsauftritten.

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Wer kann der kann!

Und ich kann!

Heute war Stadtlauf. 7 Kilometer.

Ich wollte schon unbedingt mitmachen. Aber leider leider hatte ich keine Zeit zur Vorbereitung.

Und gestern dachte ich mir „Scheiß drauf!“. Und habe mich angemeldet.

Ich bin Sportlerin, ja. Aber ich laufe nicht. Ich betreibe 2-3 x die Woche Kampfsport (na gut, manchmal auch mehr, es gibt ab und an Wochenenden mit bis zu 20 Std. Training), gehe unregelmäßig ins Fitnessstudio an die Gewichte (jedesmal wenn ich über die Maßen frustriert bin weil meine Mitkampfsportler mehr Kraft haben wie ich und ich auch noch Zeit hab, also ca 1x im Quartal). Ich gehe ab und an spazieren. Letztes Jahr war ich 2x im Freibad und hab ein paar Bahnen gezogen. Im August hatte ich mich einmal mit einer Bekannten zum Nordic Walking verabredet. Letztens Endes sind wir rumgeschlendert und haben gequasselt. Joggen geht seit 19 Jahren nicht mehr. Ich hab mir mit 12 Jahren beim Fußballspielen alle möglichen Sehnen im rechten Fuß und linken Knie gerissen. Nachdem das nie stabilisiert wurde (als es 7 Jahre später festgestellt wurde woher die Probleme kamen wars zu spät) haut es mir beim Joggen (also, wenn das länger als 5-10 Minuten geht) immer die linke Kniescheibe raus die ich dann wieder reinpressen muss. Die Ärzte haben mir unmissverständlich klar gemacht, dass Joggen nicht in Frage kommt für mich. Der Crosstrainer geht komischerweise problemlos. Nur, dass ich da dieses Jahr bisher nur 3x drauf war. Tanztraining hab ich heuer noch gar nicht gehabt.

Aber ich habe beschlossen, dass so ein Stadtlauf einfach mal mit meiner Grundausdauer zu erledigen sein muss. Man musste ja nicht joggen (was ja nicht geht), man konnte auch Walken oder Nordic Walken.

Und: Ja, es geht mit meiner Grundausdauer. Und zwar easy, gechillt und problemlos.

Meine Ziele waren ja mangels Vorbereitung nicht so hoch gesteckt (ins Ziel kommen, innerhalb der vorgeschriebenen Zeit ins Ziel kommen, mindestens Vorletzter werden). Aber die hab ich weit übertroffen. Ich war deutlich schneller als ich gedacht habe. Schneller als so einige Jogger und schneller als unzählige (Nordic) Walker. Ich bin mehr als zufrieden mit mir. Ich habe ewig viel Zeitpuffer nach hinten gehabt. Die Glückshormone sprudeln…

Am Start war so eine Joggerin, Kategorie „Dumme Schnepfe“ neben mir. So eine aufgetakelte Demonstrativcoole. Sehr hübsche Frau, muss man sagen. Aber unsympathisch. Die keift auf alle Fälle rum weil „diese lahmen Stockläufer auch starten dürfen“ und „wenn mir eine so nen Stock zwischen die Füße steckt tret ich der voll in Arsch“. Ja logisch. Wie wenn irgendwer seine Stöcke freiwillig mit sowas kontaminiert. Und umsichtig wenn man läuft passiert das auch nicht. Ich bin z. B. die ersten paar Meter vorsichtig gejoggt, Stöcke am Körper, damit nix passiert, und erst als nach dem Start nach ein paar Metern mehr Platz war weil das Teilnehmerfeld etwas mehr gestreckt war bin ich zu der anderen Technik geswitcht.

Jedenfalls gehörte Madame Arrogant zu den Joggern die weit nach mir im Ziel waren. Im Cool down bereich hatte ich schon gute 5 Minuten entspannt, einen Viertel Apfel, 3 kleine Stücke Wassermelone und eine halbe Banane gegessen und nen halben Liter Wasser getrunken als sie völlig dramatisch mit den Worten „schnell, ich brauche Zucker, dringend“ in die Halle gestürzt kam.

Wer ist jetzt hier lahm?

Ich war ja viel zu happy über meine Leistung. Sonst hätte ich bestimmt noch was äußerst charmantes vom Stapel gelassen.

Ich mag das nicht, wenn man versucht sich selbst zu erhöhen indem man versucht andere zu erniedrigen. Aber… ganz ehrlich, eigentlich musste ich gar nichts mehr sagen, das hat sie ja doch selbst geschafft.

Leute gibts…

Fragt sich nur ob ich in 4 Wochen bei dem Dorflauf kurz außerhalb der Stadtgrenze auch ohne Vorbereitung (außer man zählt den heutigen Tag als Vorbereitung) starten soll. Aber das sind 8,5 km. Das ist nochmal ne andere Hausnummer…

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Das wollte ich ja eigentlich gestern posten, aber mir kamen die Freundschaften dazwischen.

Ich habe jetzt eine Woche Urlaub. Am Freitag in der Früh dachte ich noch so puh, den Tag – den schaffst auch noch.

Der Freitag hat dann allerdings mich geschafft.

Wir wissen ja alle, es verirren sich genügend interessante Menschen (interessant ist ein tolles Wort – man kann es positiv und negativ verwenden!) in mein Büro.

Diesen Burner möchte ich euch nicht vorenthalten.

Bürotür öffnet sich, ein Mann tritt ein.

Nadine: Guten Morgen!

Er: guckt und rührt sich nicht.

Nadine: Nehmen Sie doch Platz!

Er: guckt und rührt sich nicht.

Ich bin n bisschen irritiert.

Nadine: Um was geht es denn?

Er: guckt und rührt sich nicht.

Vielleicht versteht er mich nicht?

Nadine (verwirrt): Hallo?

Er: guckt und rührt sich nicht.

Nadine: Verstehen Sich mich?

Er: guckt und rührt sich nicht.

Nadine: Verstehen Sie mich nicht?

Er: guckt und rührt sich nicht.

Nadine: Hallo?

Er: Nein.

Ah jetzt ja. Eine Insel… Aber was nein.

Nadine: Ah, ok. Sie verstehen mich nicht…

Er (brüllt): Wohl verstehen. Alles verstehen. Nein.

Nadine: Verstehen Sie mich oder verstehen Sie mich nicht?

Er (brüllt): Nein! Alles verstehen.

Nadine: Warum sagen Sie dann Nein?

Er: Nein.

Nadine: Na, egal. Also, Sie verstehen mich, dann…

Er: Nein.

Nadine: Verstehen Sie mich?

Er: Alles verstehen, Nein!

Nadine: Ah, ok.  Dann nehmen Sie doch Platz und sagen mir, um was es geht.

Er: Nein.

So weit waren wir doch schon mal?

Nadine: Was nein?

Er (tobend): Nein sitzen. Ich nicht sitzen. Ich 100x gesagt, Du nix hören.

Kein Problem. Dann sitzt er halt nicht. Vielleicht hat er ja Rücken? Mein Bauchgefühl sagt mir aber schon: Hey, das wird noch lustig. Wer von euch konnte das Nein zu der Frage zuordnen? Ich nämlich nicht. Wenn er aber tobend stehen bleibt und ich sitzend von unten nach oben gucken muss ist das körpersprachlich und ausstrahlungsmäßig ganz schlecht. Macht aber nix, zu viel sitzen ist eh nicht gesund. Kein Problem, steh ich halt auf.

Mag er nicht. Tobt weiter. Mir egal, ich sehe meinen Urlaub schon winken.

2 Minuten später: Er weigert sich, mir sein Anliegen zu verraten. Er steht einfach da und spricht nicht mehr.

Vermutlich weil ich auch stehe und mich nicht einschüchtern lasse.

Aufm Klo war ich erst, ich hab Zeit.

Wenn er nicht spricht und auf Ansprache nicht reagiert sprech ich halt auch nicht mehr.

Dass sich der nicht lächerlich vorkommt?

Ich sortiere schon mal (stehend) meine Unterlagen, damit die Kollegen in meinem Urlaub alles finden. Irgendwann wird er schon in Kontakt treten und mir sagen was er will oder sich verdünnisieren. Auf weitere NEINs hab ich keine Lust.

Oh, da fliegt ein Zettel auf meinen Tisch (fühle mich wie Wuffi dem ein Knochen hingeworfen wird). Er wird weich. Na Wahnsinn, nach 15 Minuten weiß ich jetzt immerhin wer vor mir steht und kann anhand dessen auch feststellen, dass der Mann gar nicht zu mir gehört. Für erhöhte Schwierigkeitsgrade haben wir nämlich eine Kollegin. Die kriegt mehr Gehalt. Bei ihr gehört sowas zur Stellenbeschreibung.

Ich sehe Licht am Horizont und will ihn zur besagten Kollegin schicken. Da will er aber nicht hin (warum auch immer). Hm. Ich will auch nicht, dass er hier steht, meinen Arbeitsablauf blockiert und nur Nein sagt. Ich fürchte aber, dass wir da beide recht wenig Wahl haben. Nachdem er sich standhaft weigert zu besagter Kollegin zu gehen und mit ihr zu sprechen bin ich irgendwann so genervt, dass ich zu ihr gehe. Allerdings werde ich den Teufel tun und diesen Menschen derweil allein mit sämtlichen Unterlagen und Dokumenten (Datenschutz!) und Tresorzugang alleine in meinem Büro lassen. Es dauert ernsthaft weitere 5 Minuten bis ich dazu gebracht habe, mein Büro zu verlassen. Weil er das nicht einsieht. Erst als ich damit drohe, dass ich dann überhaupt nicht mit der zuständigen Kollegin spreche fügt er sich.

Ich bitte ihn, draußen zu warten.

Kann ja nicht lange dauern.

Ich schlage bei der Kollegin auf.

Sie rollt die Augen, als sie sieht, um welchen Vorgang es sich handelt. Womit sie das verdient hat? Weiß ich nicht. Ich weiß ja auch nicht, womit ich das verdient habe.

Sie: Spricht er mit Ihnen?

Nadine: Er sagt nur Nein und ab und zu brüllt er.

Sie: Ja, das ist ja schonmal was, dann hat er etwas Respekt vor Ihnen.

Aha…?

Sie: Weil eigentlich spricht er nicht mit Frauen. Frauen sind Menschen zweiter Klasse und unter seiner Würde. Mit mir spricht er auch nicht.

Na fantastisch.

Sie: Er braucht das xyz – bitte geben Sie ihm das.

Ok, 2 Minuten später mach ich mich also vollumfänglich informiert auf den Rückweg. Drucke xyz (nochmal ne Minute) und will ihn wieder in mein Büro bitten.

Er ist weg. Weg! Und ich bin wieder allein allein… Ne, nicht wirklich.

Na, vielleicht musste er nur mal wohin.

Ein paar Minuten später ist er immer noch nicht da. Ich habe 2x die komplette Etage durchsucht. Und ehrlich gesagt auch keinen Bock mehr auf dieses Kasperltheater. Hab ja sonst nix zu tun – aaaaber wir sind ja kundenfreundlich. Es ist noch nicht mal 8:30 Uhr.

Auf dem Flur tanzt der Bär. Mit Menschen, die tatsächlich mit mir sprechen. Und die tatsächlich zu mir gehören.

Ich bringe das frisch gedruckte xyz zur Kollegin. Wenn er wieder kommt muss er halt doch dahin.

Neue (liebe) Menschen in meinem Büro. Als die schon 25 Minuten bei mir waren reißt (!!!) er die Tür auf und steht auf der Türschwelle. Und tobt, weil ich jetzt andere Leute bearbeite. Ich bin respektlos, weil ich nicht auf ihn gewartet habe.

Ich sehe das etwas anders, aber es ist mir zu blöd.

Informiere, dass er jetzt Pech gehabt hat, ich diese Leute jetzt bearbeite und er sich sein xyz bei der Kollegin holen kann.

Er brüllt. Mein aktueller Kunde guckt ihn böse an.

Mir platzt langsam so n bisschen die Hutschnur. Ich stehe auf, sage nur dass er jetzt bei mir nicht mehr dran ist, dann den Namen meiner Kollegin, als er widersprechen will sage ich „Nein“ und schließe nachdrücklich die Tür vor der Nase.

Da ist er gleich mal still vor Schreck. Ein Mensch zweiter Klasse behandelt ihn so. Isser nicht gewohnt. Mir hat das unglaublich gut getan.

Die aktuelle Kundschaft applaudiert. „So ein Verhalten müssen Sie sich nicht gefallen lassen.“

Ich informiere Kollegin telefonisch „Er ist wieder aufgetaucht und kommt gleich“.

Da sollte ich mich täuschen.

Er steht auf dem Flur und guckt die Wand an.

Dort steht er die nächsten 2 1/2 Stunden.

Die Kollegin spricht ihn in der Zeit 3-4x an er möge doch mitkommen, dass sie ihm xyz geben kann und er den Empfang quittieren kann. Er tut so, als würde er sie nicht hören.

Die wartenden Menschen sagen „Entschuldigung, wir glauben, der Mann ist taub.“

Nein. Ist er nicht. Er will nur nicht.

Mensch zweiter Klasse und so.

Leute machen sich Sorgen, dass man eventuell einen Notarzt bräuchte. Schockstarre. Rücken verrissen und kann sich nicht mehr bewegen. Irgendwie sowas muss der arme Mann doch haben?

Nein. Er will nur nicht.

Mensch zweiter Klasse.

Dem Croissant wird das irgendwann zu blöd.

Er ist ein Mann, jünger, muskulöser, größer als der Er. Das Croissant strahlt tatsächlich Autorität aus.

Das Croissant braucht ihn nur einmal ansprechen und Er folgt brav auf dem Fuße.

Er spricht in ganzen Sätzen. Sagt guten Morgen, nimmt Platz, quittiert, nimmt xyz. Schließlich hat er jetzt Kontakt mit einem Menschen erster Klasse.

Und Er möchte sich über Frau Welt beschweren. Weil diese Frau ihn respektlos behandelt hat. Nimmt einfach andere Leute dran. Wirft ihn aus dem Büro. Sagt einfach „Nein“. Steht beim Sprechen auch noch auf, so dass sie auf Augenhöhe (ok… n bisschen größer) ist.

Das Croissant… nun…. wie soll ich sagen… empfiehlt ihm, sein eigenes Verhalten zu rekapitulieren und erklärt, jederzeit hinter Frau Welt zu stehen.

Ich bin froh, dass das Croissant den werten Herrn deutlichst in seine Schranken gewiesen hat.

Andererseits denke ich mir, er hätte ihn nicht reinrufen sollen, ich hätte es liebend gern ausgesessen. So hat er sich ja quasi mit seiner Männerbehandlung durchgesetzt und bekommen, was er wollte. Und wenn er bis Büroschluss nicht im Büro von der Kollegin aufgetaucht wäre und bis zur Schließung des Hauses immer noch dort gestanden wäre – meinetwegen hätten sie ihn eingeschlossen. So ein Wochenende in einem leeren Bürogebäude. Da kann man sicher gut nachdenken.

Und wenn nicht, dann würde er jetzt noch dort stehen.

Hätte ich persönlich jetzt auch kein Problem damit.

Bin ich kaltherzig?

P.S.: Ich will meinen Luca Toni (danke für die Namensfindung ^^) wieder! Kann man den nicht vervielfachen?

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Freundschaften

@Hijack hat über Freundschaften geschrieben. Ich hätte gern kommentiert. Ging nicht, kein Feld für Kommentar. Nun, dann zumindest reblogged? Ging auch nicht.

Aber das Thema, das sie angestoßen hat, interessiert mich. Neue Freundschaften zu schließen, echte Freundschaften, nicht nur Zweckgemeinschaften.

In ihrem Falle möchte sie wohl keine Leute aus den letzten 15 Jahren mehr als Freunde bezeichnen, wegen Enttäuschungen. Wenn ich ihren Text richtig verstanden hab.

Mich hat das nachdenklich gemacht.

Wen bezeichne ich als Freund? Wie lange kenne ich diese?

Grundsätzlich unterscheide ich in: gute Freunde, Freunde, gute Bekannte, Bekannte.

Gute Freunde hab ich nicht viele. Weniger, als ich dachte.

Da wäre zum Einen die BF. Wir kennen uns seit dem Kindergarten, waren wohl so 5 Jahre alt. Also seit 26 Jahren. Allerdings hatten wir uns zwischendurch einige Jahre nicht gesehen und uns erst mit 18 zufällig wiedergetroffen.

In der Schulzeit war Biggi noch eine sehr gute Freundin. Als ich nach der 10. Klasse allerdings eine Ausbildung begann und sie weiter zur Schule ging hatten wir so unterschiedliche Themen, die uns interessierten, dass die Freundschaft eingeschlafen ist. Sie bestand primär aus zusammen Handarbeiten und bisschen tratschen, bisschen Liebeskummer teilen. So viel wie der folgenden Person hab ich ihr nie anvertraut.

Dann gibt es Mary. Wir kennen uns, seit ich in der 4. Klasse und sie in der 3. Klasse war. 21 Jahre. Bis vor wenigen Jahren hätte ich gesagt, dass SIE meine beste Freundin ist. Ich konnte mit ihr über weit mehr Themen sprechen als mit der BF. Sogar mehr als ich mit der BF heute besprechen kann. Das Problem: Ihr Lebensgefährte. Er ist so n Typ, der sie für sich alleine haben will. Sie hat sich schon oft drüber beklagt, dass sie -außer mir- überhaupt keine Freundinnen mehr hat. Er hat es geschafft, so peu a peu den Kontakt zu ihren Freundinnen zu untergraben. Während er bei ihren anderen Freundinnen inzwischen seit Jahren abgebrochen ist, ist er mit mir sehr eingeschränkt. Sämtliche Sozialkontakte laufen über ihn. Seine Freunde, seine Clique. Pärchenabende mit den Freundinnen seiner Freunde. Ich bin kein guter Kontakt, übe schlechten Einfluss aus. (Oh, er hat mich genau einmal gesehen. Bei meiner Hochzeit.) Ich mache mir Sorgen. Sie ist nicht glücklich in dieser Beziehung, aber sie kommt auch irgendwie nicht raus. Seit Whatsapp haben wir wieder mehr Kontakt, das kriegt er nicht so mit, wie Treffen oder Telefonate. Irgendwie ist es komisch. Kaum jemand in meinem Bekanntenkreis kennt sie, aber ich möchte sie trotzdem noch als gute Freundin bezeichnen. Soll ich das noch? Ist sie das noch? In 80% der Fälle geht der Kontakt von mir aus. Vielleicht sollte ich aufgeben? Aber… ich weiß dass sie unglücklich ist – will ich ihr wirklich das Gefühl geben, komplett alleine zu sein, für den Fall, dass sie doch mal den Arsch in der Hose hat Nägel mit Köpfen zu machen?

Alexa: Wir haben die Ausbildung zusammen überlebt und Monate im Internat ein Zimmer geteilt. Danach vertraut man sich oder man hasst sich. Bei uns ist es das Erstere. Ich kann mit ihr über fast soviel sprechen wie mit der BF.

Bini: Da kommen wir zu „ich dachte, wir wären gute Freunde, sind aber wohl doch nur gute Bekannte“. Bini war eine Kollegin von mir. Jahrelang (seit über 10 Jahren) haben wir fast jede Mittagspause zusammen verbracht, auch als wir nicht mehr zusammengearbeitet haben. Wir haben uns auch privat viel getroffen, shoppen, Konzerte besucht, Sylvester zusammen verbracht, miteinander Geburtstag gefeiert (sie feiert z. B. immer im kleinen Kreis, das heißt maximal 8 Personen, sprich 3 Freundinnen mit Partner und 2 Single-Freundinnen), über alles Mögliche geredet, uns einiges -auch Probleme und Sorgen- anvertraut. Klar, nicht so viel wie BF, Mary, Alexa, aber doch viel. Seit ich aber vor ca. 18 Monaten einmal keine Zeit hatte, mit ihr ein Konzert zu besuchen – was wohlgemerkt bereits bei ihrer ersten Anfrage klar war, weil ich an diesem Tag bereits etwas vor hatte – ist das anders. Ich habe ihr eine meiner Kolleginnen empfohlen, von der ich wusste, dass sie auch zu diesem Konzert gehen wollte, aber nicht alleine gehen wollte. Die beiden kannten sich nur vom Sehen, sind zusammen gefahren. Die Kollegin hat Connections in die Musikbranche und VIP-Tickets besorgt. Und seitdem bin ich „unter ferner liefen“. Anscheinend kann Bini nur eine bestimmte Anzahl von Menschen im Freundeskreis haben. Und jemand mit Kontakt in die amerikanische Musikbranche, der an geniale Tickets rankommt, ist cooler als ich. Wir haben schon noch Kontakt. Aber bei Weitem nicht mehr so viel. Aktuell würde ich sie als an der Grenze von Freundin (NICHT Guter Freundin) zu Guter Bekannten einstufen.

Erika. Erika kenne ich erst seit 6 Jahren. Auch über den Job. Seit ca. 4 Jahren würde ich sie als gute Freundin bezeichnen. Ich kann über einiges mit ihr sprechen. Als sie sich vor 2-3 Jahren von ihrem Mann getrennt hatte, hab ich ihr geholfen den Umzug zu organisieren. Wir haben nächtelang telefoniert. Ich war die erste Person, der sie ihre neue Wohnung gezeigt hat. Trotzdem hab ich momentan ein komisches Bauchgefühl, was sie angeht. Ich kann nicht beschreiben, was es ist, es kann auch sein, dass ich mich täusche. Aber entweder ist sie in den letzten Monaten echt gröber gestresst (was bedeutet, dass ich mir enorme Sorgen um ihre Gesundheit mache), oder sie braucht mich jetzt nicht mehr, nachdem sie sich jetzt eingelebt hat im neuen Wohngebiet und dort Anschluss gefunden hat. Den einen Tag denk ich so, den nächsten Tag denk ich anders. Sie hat im Sommer einen recht auslaugenden Nebenjob angenommen, weil sie nach der Trennung finanziell sehr sehr knapp dran war und aber einige Investitionen anstehen. Der Nebenjob wird vermutlich irgendwann in den nächsten Monaten weniger Zeit beanspruchen. Dann sehn wir ja. Ich hab einfach wohl irgendwie Angst vor dem Bini-Effekt. Dass ich immer für jemanden da war, der mich mitten in der Nacht heulend anrufen konnte, und dann BÄM in den Müll mit Nadine. Coolere Freunde gefunden. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass Erika Bini 2.0 wird.

Dann – noch jemand bei dem ich mich getäuscht habe. Mark. Mark und ich kennen uns seit meiner Geburt. Er ist 4 Wochen älter als ich. Wir sind aufgewachsen wie Geschwister, in einer Straße, 3 Häuser weiter. Unsere Eltern sind befreundet. 2 Menschen auf dem Planeten merken wenn ich lüge. Mama und Mark. Wir haben uns als Kinder geprügelt, gestritten, geärgert… So wie Geschwister halt. So mit 13 Jahren haben wir uns nicht mehr geprügelt, sondern haben freiwillig Zeit zusammen verbracht. Wir hatten denselben Freundeskreis. Wir wurden beste Freunde. Zu der Zeit waren Mary und er meine besten Freunde. Wir gingen zusammen durch dick und dünn. Wir verstanden uns schweigend. Wortlos. Quasi per Gedankenübertragung. Wir waren die Horrorgegner bei TABU. Die komplette Pubertät haben wir Seite an Seite verbracht. Ich habe die Mädels, denen er Interesse entgegenbrachte, auf Herz und Nieren überprüft, und er hat mich vor dem ein oder anderen Aufreißer beschützt. Man lässt seinen Bruder nicht sehenden Auges in die Fänge irgendwelcher hinterfotzigen betrügerischen Tussen laufen, und man lässt auch seine Schwester nur zu Typen, die es vermutlich ernst meinen. Diese wurden so geprüft, wie das nur große Brüder können. Furchteinflößend. Wir haben uns durch Liebeskummer (beide), gebrochene Beine (er), gerissene Sehnen (beide), furchtbar gekochte Spaghetti (beide), Notaufnahmenaufenthalte (ich), Ärger aller Art und bei Elterndiskussionen unterstützt. Ich habe ihm erklärt, wie er seine Augenbrauen zupfen muss weil er ein Mr. Monobraue war. Ich bin fest davon überzeugt dass ich eine knapp 15jährige Teenie-Mom geworden wäre, hätte er an dem einen bestimmten Tag nicht auf mich aufgepasst. Den Führerschein hatte er natürlich ein paar Wochen vor mir. Bei meinem 18. Geburtstag fungierte er deshalb als Chauffeur. Bei dem Spiel, das ich überstehen musste um mein Geschenk zu erhalten, hat er dafür gesorgt, dass meine Mutter eine meiner Hosen für mich einpackte, weil das Spiel mit Rock zu tiefe Einblicke gewährt hätte. Als ich mit 19 Tim kennenlernte meine Mark: „Ich glaub, der ist ok. N bisschen ruhig vielleicht. Und wenn er Dir weh tut kastrier ich ihn.“ An meinem 21. Geburtstag hat er eine CD mit schlechten Witzen unter meine Musikplaylist gemixt. Weil mir sonst zu langweilig ist. Ich habe ihm erklärt, dass er mit seinen schlechten Anmachsprüchen garantiert nie irgendwo landen wird. Zwischendurch wollten wir uns immer wieder mal umbringen. Zum Beispiel als er die Bergwanderung ausgesucht hat und irgendwas von 3 Stunden Aufstieg erzählt hat. Im Endeffekt waren es 9 Stunden. Mit 24 hab ich versucht die CD-Anlage für einen Auftritt meiner Tanzschülerinnen einzustellen. Sie ging nicht. Mark kam und hat eine Stromschlag bekommen. Ich hab ihn angeschrieen, die Tanzschülerinnen auch. Wenn er mitten in der Nacht Hilfe brauchte bei einer Date-Organisation, oder jemanden, der ihn irgendwo abholte (Notaufnahme wegen Beinbruch…) rief er mich an. Als wir 23 waren hat er seine Freundin kennen gelernt. Sie wollte uns alle nicht kennen lernen. Insbesondere mich nicht. Weil Männer und Frauen nicht befreundet sein können. Ob sie eng befreundet sein können weiß ich nicht. Lose befreundet auf alle Fälle. Mark und ich sind aber nicht nur befreundet. Wir sind Geschwister ohne Blutsverwandtschaft. Dachte ich. Vor 3-4 Jahren (als wir also 28 Jahre alt waren) hat Mark den (dann schon vergleichsweise sehr losen aber trotzdem vertrauten – es ist nicht die Quantität sondern die Qualität!) Kontakt zu mir eingestellt. Zu den Männern der Clique nicht. Mit denen konnte sie sich zwischenzeitlich anfreunden. Ich bin verletzt. Er hat zwischenzeitlich geheiratet. Dafür musste er abnehmen, weil sie ihn sonst nicht geheiratet hätte. Sie will schließlich schöne Fotos. Auf meine Glückwunschkarte haben die Beiden nicht reagiert. Das sieht ihm nicht ähnlich. Ich schätze, dass seine Frau für die Post zuständig ist. Ich weiß auch, dass er inzwischen Vater einer Tochter ist. Hoffentlich kommt das Kind nach ihm und nicht nach ihr. Und hoffentlich weiß er, dass er sich trotzdem jederzeit bei mir melden kann. Wenn er jemals zur Vernunft kommt. Mal ganz ehrlich… Die Frau ist doch irre? Und das ist die einzige seiner Freundinnen, die nie durch meinen TÜV musste. Weil er so verliebt war, dass ausfragen verboten war. Und was hat er jetzt davon? So einen Hausdrachen, der ihm seine sozialen Kontakte vorschreibt. Seine Eltern sehen das Enkelkind auch kaum. Die sind nämlich auch nicht das, was sie sich so vorstellt.

Soweit also zu den Leuten, die ich bisher für gute Freunde hielt.

Für Freunde (also, ohne „gute“)… Ja, Freunde sind mehr als gute Bekannte, das Vertrauensverhältnis ist ein Anderes. Aber sie sind weniger als gute Freunde. Also, diese mitten-in-der-Nacht-aufgelöst-anrufen-können-Option entfällt, außer es handelt sich um einen echten Notfall.

Für einen Freund hielt ich bisher den Bro. Seit Kopenhagen nicht mehr. Ihr wisst ja… Und wer es nicht weiß, kann es nachlesen. Im Januar 2013.

Für eine Freundin hielt ich zwischen 16 und 18 auch Katha. Sie war gerade auf dem Weg zur guten Freundin, als ich durch Zufall heraus bekam, dass sie mich nur ausgenutzt hat.

Auch Micha hielt ich mal für eine Freundin. So zwischen 14 und 17. Allerdings wollte sie irgendwann meine beste und einzige Freundin und einziger Sozialkontakt sein. Und das auch nur, wenn ich machte was sie tat. Darauf hatte ich keinen Bock.

Carlos hingegen ist ein Freund. Ich glaube, der Einzige, der momentan in dieser Klassifizierung läuft.

Nein, nicht ganz. Meine 4 ältesten Schülerinnen würde ich auch als Freundinnen bezeichnen. Nein, eher als Familie. Schließlich ist für sie ganz klar, wenn ich Kinder krieg werden sie Tante. Oder auch große Schwester. Das ist noch nicht raus. Aber auf alle Fälle die, die verwöhnen und verziehen. Es spricht auch eher für Familie, weil die Mädels mich natürlich jederzeit mitten in der Nacht anrufen können. Ich sie aber nur in einem echten Notfall mitten in der Nacht anrufen würde.

Kirsten möchte ich auch nach wie vor als Freundin bezeichnen. Aufgrund unterschiedlicher Wohnorte und Tagesrhythmen hören wir nicht mehr so viel voneinander. Aber das Vertrauensverhältnis ist da.

 

Was Freunde angeht versage ich wohl ziemlich.

Dafür bin ich gut bei Bekanntschaften. Gute Bekannte hab ich… weiß nicht, bestimmt gut 40 Leute. Leute, mit denen man Spieleabende machen könnte wenn man den wollte (ich spiele nicht gern), sich zum Raclette machen trifft, ins Kino geht, oder auch mal feiern geht. Auch die Leute, mit denen ich schon sehr sehr lange trainiere würde ich dazu zählen. Sind vielleicht 2 oder 3. Auch ein paar Kollegen bzw. Kolleginnen. Und dann noch die weiteren Bekannten. Die keine guten Bekannten sind. Davon gibt es massig. Ich kenne immer jemanden und lerne leicht weitere Leute kennen. Aber die „Beförderung“ von Bekanntschaft zu Freund… die ist schwierig. Gebranntes Kind usw. Ich bin total offen, bis zu einer gewissen Grenze. Da halte ich mich zurück. Und da kommt auch so leicht keiner mehr durch. Ich glaube, ich bin vorsichtiger geworden.

Das ist jetzt ziemlich ausführlich geworden, deutlich ausführlicher als jeder Kommentar den ich @hijack hinterlassen hätte. Zusammenfassend lässt sich wohl sagen, dass mich auch Leute, die ich weit länger als 15 Jahre als gute Freunde an meiner Seite hatte enttäuscht haben, und Leute, die kürzer in meinem Leben sind, das (noch?) nicht gemacht haben. Wo ich aber auch das Gefühl habe, dass es keine Zweckgemeinschaft ist.

Ich kann aber durchaus das Gefühl nachvollziehen, dass einem manche Online-Kontakte mehr geben, als Leute, mit denen man sich regelmäßig trifft und austauscht. Ich glaube, das hat einerseits damit zu tun, dass wir hier, online, anonym sind. Die online-Kontakte sind nicht im echten Leben in unseren Sozialkontakten verwoben. Wir können offener sein. Man muss sich nicht überlegen, was welche Auswirkungen haben könnte. Dadurch sind die Antworten auch ehrlicher. Und man trifft so automatisch auf Leute, die ähnlich ticken. (Wieso auch sollte man sich mit jemandem stressen, den man doof findet? Im Gegensatz zum echten Leben, wo das evtl. die Freundin des Stammtischbruders des Mannes ist wo man sich ja damit abgeben muss…) Also die, mit denen man sich vermutlich auch im echten Leben verstehen würde. Und das ist das andererseits. Unsere Sozialkontakte im echten Leben werden z. B. durch den Wohnort mitbestimmt und miteingeschränkt. Online ist das nicht der Fall. Wenn da jemand genau so tickt, ist es egal, ob er oder sie 1000 Kilometer entfernt sitzt oder im Nachbarhaus. Gehen wir einmal davon aus, dass 0,5 % aller Menschen in unserer Wohnregion das Potential haben, gute Freunde zu werden. Und dass 0,5% aller Menschen online das Selbe Potential haben. Die natürliche Zahl bei zweiterem ist logischerweise weitaus höher. Ihr wisst, was ich meine? Außer natürlich ihr wohnt irgendwo, wo mehr Menschen wohnen, als online unterwegs sind…

Freundschaften sind kompliziert. Und ich bin gespannt, was sich da noch alles so verändern wird. Werde ich irgendwann nur noch Bekanntschaften und keine Freundschaften mehr zulassen? Oder wird meine Menschenkenntnis besser?

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